Ich bin in erster Linie Lehrer geworden, weil ich gerne lerne. Mir macht es Spaß, neue Dinge zu entdecken, auszuprobieren und dann entweder zu verwerfen oder zu vertiefen. Dazu kommt meine Begeisterung für Computer und Digitales. Das spiegelt sich auch darin wieder, dass ich eine Gesellschaftswissenschaft (Geographie), Naturwissenschaften (NwT) und eine Geisteswissenschaft (Deutsch) unterrichte.

So schön es ist, sich für viele Dinge zu interessieren: Neben den Bücherregalen quellen auch die digitalen Speicher über und werden immer schwerer zu handhaben. Aus diesem Grund habe ich mir ein eigenes System aufgebaut (eigentlich ist es ständig im Fluss), mit dem ich versuche, Struktur herzustellen.

Mein Workflow graphisch dargestellt

Recherche

Die Grundidee ist, dass ich hauptsächlich lese. Bücher, PDFs, eBooks, Webseiten, RSS-Feeds. Alle diese Quellen werfen Zitate und Kommentare ab. Gespeichert werden können diese zentral mit Readwise. Das Onlinetool kann Markierungen und Kommentare aus verschiedenen Quellen zusammenführen. So kommen Markierungen vom Kindle, Hervorhebungen aus PDFs und sogar direkt per OCR gescannte Abschnitte aus „echten“ Büchern in die Datenbank.

Etwas komplizierter ist es mit Quellen aus dem Web. Hier gehe ich zunächst drei verschiedene Wege. Artikel aus Online-Medien (die ich meist über meine RSS-Feeds finde), landen in Instapaper. Andere Quellen aus dem Netz, also z. B. Wikipediaseiten oder „normale“ Webseiten, markiere ich mit hypothes.is (auf dem Rechner) und mit dem Command Browser auf dem iPad. Alle drei Werkzeuge können die Markierungen und Anmerkungen direkt an Readwise übergeben.

Mein eigentliches „digitales Gehirn“ ist Evernote. Readwise synchronisiert regelmäßig alle angesammelten Zitate nach Evernote. Somit habe ich alle gelesenen Inhalte durchsuchbar in einer Datenbank.

Die zweite Gehirnhälfte ist raindrop.io. Neben Texten sammeln sich auch unzählige Webseiten, Tools und andere Quellen an, die man behalten möchte. Raindrop eignet sich hier hervorragend, weil es auf allen Plattformen funktioniert und Bookmarks direkt verschlagwortet werden können. So findet man später gesuchte Seiten wieder schnell. Zusätzlich lassen sich auch Bilder und Grafiken in raindrop sichern.

Bis zu diesem Punkt habe ich nun alle Teile, die man mit „Recherche“ überschreiben könnte, zusammen.

Produktion

Jetzt geht es daran, Inhalte zu produzieren. Hier verwende ich viele Tools. Wenn ich größere Projekte schreibe, verwende ich gerne Scrivener. Die Software hilft insbesondere, Texte zu strukturieren und zu überarbeiten. Wenn ich kürzere Texte schreibe, nehme ich, worauf ich Lust habe. Für die Schule meist Google Docs, weil wir mit Workspace arbeiten. Privat in Word, in letzter Zeit auch sehr gerne in Textmaker, weil dort mächtige Korrekturtools enthalten sind.

Klassische Arbeitsblätter baue ich, wann immer es geht, in Tutory. Das Konzept dieses Dienstes überzeugt und der Support ist erstklassig. Zudem unterstützt Tutory dabei, Material direkt unter Creative Commons Lizenz zu publizieren. Für Unterrichtsmaterial ist eine CC BY oder CC BY-SA für mich immer das erste Ziel.

Präsentationen und Infografiken entstehen in der Zwischenzeit ausschließlich in Genially. Die Software aus Spanien ist in Deutschland vergleichsweise wenig bekannt. Das ist etwas schade, denn die Software läuft auf EU-Servern und das Unternehmen unterliegt der DSGVO. Neben einer großen Bibliothek an fertigen Vorlagen und Bausteinen, ist die Stärke von Genially, dass externe Inhalte in Echtzeit eingebettet werden können. So kann man Twitter-Timelines, YouTube-Videos und eine Vielzahl anderer Dienste in Präsentationen und Infografiken einbetten. Zudem können alle Inhalte Interaktiv gestaltet werden und mit Links, Tooltips und Popup-Fenstern angereichert werden. Mit einem Pro-Account kann man Dokumente als PDF oder HTML5 downloaden und offline nutzen. Ansonsten laufen die Inhalte direkt in allen Browsern auf allen Systemen.

Viele Kolleginnen und Kollegen nutzen das Tool Padlet, wenn sie Inhalte kuratieren und präsentieren wollen. Allerdings hat Padlet einen (für mich) entscheidenden Nachteil: Es ist nicht durchsuchbar. Ich bin deshalb bei Miro gelandet, welches mit einer quasi unendlichen Arbeitsfläche daherkommt und sehr viele Möglichkeiten bietet. Hier entstehen Netzwerke aus Links, Videos, PDFs, Texten, Bildern und Audiodateien. Schülerinnen und Schüler können diese Inhalte entdecken oder (auch anonym) bearbeiten, wenn ich die Freigabe erteile.

Beitragsbild: Photo by Campaign Creators on Unsplash