Freie Lektüre: Die Schachnovelle in einer CC-Ausgabe

In Baden-Württemberg stehen wir vor dem Problem, dass das Land den SchülerInnen und Eltern Lernmittelfreiheit zusichert. Das bedeutet, dass Materialien, welche über einer Bagatellgrenze liegen, von der Schule gestellt werden müssen. Diese liegt je nach Auslegung etwa bei 1,50€. Kaufen müssen die Lernmittel allerdings die Schulträger, welche in Baden-Württemberg in der Regel die Kommunen sind.

Lange Zeit haben unsere SchülerInnen in den meisten Fällen die Lektüren für den Deutschunterricht selbst angeschafft, damit sie im Text Markierungen anbringen können. Wer sich die Lektüre nicht leisten konnte oder wollte, hat ein Leihexemplar bekommen, welches nicht beschriftet werden darf. Nach einigen Klagen von einzelnen Eltern, sind wir von dieser Praxis abgewichen. Gelesen werden können im Unterricht jetzt nur Lektüren, welche in Klassensatzstärke im Bücherkeller der Schule verfügbar sind. Beschriftet werden dürfen die Texte nicht.

Dies führt zu einer unbefriedigenden Situation und schränkt die Möglichkeiten enorm ein. Also stellte sich die Frage: Kann man selbst ein Buch produzieren, welches preislich so günstig wird, dass es unter die Bagatellgrenze fällt? Klar war, dass das Buch nicht zu umfangreich sein darf, weil die notwendige Zeit für die Aufarbeitung des Textes zu lange dauern würde. Logisch, dass das Werk gemeinfrei sein muss.

Letztlich bin ich bei Stefan Zweig gelandet, dessen Werk seit 2013 gemeinfrei ist (70 Jahre zum Ende des Todesjahres). Die Schachnovelle bietet sich aus vielerlei Gründen an. Das Werk hat einen Umfang von etwa 50 Druckseiten, ist sprachlich nicht zu komplex, bietet als Novelle Anlass über die Gattung zu sprechen und schließlich bietet der Inhalt mit seiner Thematik Anknüpfungspunkte an die deutsche Geschichte. In Baden-Württemberg passt das Werk ideal in die 9. Klasse, weil hier die deutsche Geschichte um die Weltkriege herum im Bildungsplan des Faches Geschichte steht. Einer fächerübegreifenden Arbeit mit dem Kollegen oder der Kollegin in Geschichte steht nichts im Weg.

Die Arbeit, welche ich investiert habe beläuft sich auf geschätzte zehn Zeitstunden. Das klingt viel, allerdings habe ich jetzt eine Lektüre, wie ich sie haben will und die ich immer wieder verändern und anpassen kann.

Blieb die Frage des Drucks. Ich habe bei meiner Haus-und-Hofdruckerei „wir-machen-druck“ fertigen lassen. Das Unternehmen ist zwar in der Zwischenzeit eine extrem große Onlinedruckerei, ich habe dort allerdings schon gedruckt, als das Unternehmen noch direkt „ums Eck“ beheimatet war. Hier drucke ich als Softcover in DIN A5 hoch, schwarz-weiß, auf 90g Naturpapier. Zusätzlich wähle ich die Fadenheftung. Der Preis für 50 Exemplare liegt dann bei knappen 65 Euro, also 1,30 € pro Exemplar. Alternativ kann man noch schwereres Papier wählen, der Preis bleibt dann noch immer bei knapp unter 1,50 € stehen. Druckt man 100 Exemplare, fällt der Preis auf 1,22 € pro Exemplar.

Zur Qualität kann ich noch nichts sagen, da ich aktuell auf die Lieferung warte. Das liefere ich aber natürlich nach.

Bildquelle: Chess board blank by Beao, https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Chess_board_blank.svg under CC BY-SA 3.0

benny

Lehrer für Deutsch, Geographie, NwT. Multimediaberater, Netzwerkberater für PaedML Novell, Nerd. Fotoknipser, Schreiberling, Switch-Zocker.