Essentielle Webdienste

In der Zwischenzeit gibt es sehr viele Webdienste, die einem viele Aufgaben abnehmen, die der Lehreralltag stellt. Der Markt ist so unübersichtlich, dass man sich schnell in der Suche nach einem Dienst verlieren kann. Ich möchte hier einige Dienste vorstellen, die ich nutze und kurz zeigen, was man mit dem Service jeweils anstellen kann. Dabei stelle ich sowohl Services vor, die auf dem Server des Anbieters laufen, als auch selbst gehostete Lösungen, die also auf einem eigenen Server betrieben werden können.

GitHub

Als erstes ein Tool, über welches man sofort stolpert, wenn man vielleicht einen Service auf einem eigenen Server aufsetzen möchte. GitHub ist vermutlich der populärste Service um den Dienst „Git“ herum. Git ist ein Service, der vereinfacht gesprochen Änderungen im Quellcode von Software verwaltet und organisiert. das ist insbesondere dann wichtig, wenn mehrere Autoren an verschiedenen Stellen der Software arbeiten. Würde jeder mit einer lokalen Kopie arbeiten, hätte man nach kurzer Zeit unzählige Kopien des Quelltextes. Git führt diese Änderungen in einem zentralen Dokument zusammen. GitHub bietet diesen Software quasi als gehostete Lösung an. In der Grundversion ist der Dienst kostenlos. Neben der Versionsverwaltung bietet GitHub auch die Möglichkeit Wikis aufzusetzen.

Gleichzeit kann man Projekte (bei GitHub „Repositorys“ genannt) verfolgen und sich mit anderen Benutzern austauschen. Ein Kernelement sind so genannte „Forks“ (Vergabelung). Wenn einem ein Projekt gefällt, sich aber in eine Richtung entwickelt, die einem nicht zusagt, kann man eine Kopie des Projekts anlegen (forken) und selbst weiter entwickeln. Die Bedeutung von GitHub auch in der wissenschaftlichen Praxis nimmt stetig zu, weil immer mehr Wissenschaftler Code und Daten auf der Plattform teilen [1].

Unter allen Betriebssystemen gibt es die Möglichkeit, lokale Kopien von Releases anzufertigen („auschecken“). Unter Linux z.B. mit

# Kopiert das Repository
$ git clone https://github.com/user/repository.git

Eine freshe Einführung zum Thema GitHub gibt es im Blog von Roger Dudler inklusive einem sehr schönen Cheat-Sheet.

PrivateBin

PrivateBin ist ein PasteBin-artiger Dienst. Aha. Eine Zwischenablage im Netz. Nutzbar für eigene Zwecke, oder um Informationen mit anderen auszutauschen. Geht das nicht per Mail einfacher? Klar, aber der unschätzbare Vorteil an PrivateBin (und auch PasteBin) ist, dass man die Nachricht mit einem Ablaufdatum versehen und verschlüsseln kann. Wenn man also im Vorfeld mit einem Gesprächspartner ein Passwort vereinbart hat, kann man sicher Informationen austauschen, die dann z.B. direkt nach dem Lesen im (Daten-)Nirvana verschwinden. Auf einem eigenen Server mit SSL hat man so eine extrem praktische und einfache Möglichkeit, auch kritische Daten auszutauschen, ohne in die Tiefen der verschlüsselten Mailkommunikation einzutauchen. Gerade im Lehrerleben ist dies eine super Möglichkeit, datenschutzrechtlich unbedenklich (Verschlüsselung, Datenhoheit, Verfallsdatum) zu kommunizieren.

Yourls

Links zu Internetseiten sind ein feine Sache. Allerdings gibt es mindestens zwei Szenarien, in denen Links große Nachteile haben (können): Bei Twitter und dann, wenn jemand den Link von Papier abtippen muss. Ein Ausweg für Links auf Papier sind QR-Codes. Allerdings auch nur, wenn der Leser die Links mit dem Smartphone oder Tablet aufrufen will. Was also tun, wenn man ein Dokument erstellt, von dem man weiß, dass es ausgedruckt wird und die Leser auf dem Papier angegebenen Links folgen wollen? Die Lösung heißt URL-Shortener. Hier gibt es viel Auswahl im Netz. Am bekanntesten sind sicher Bitly und TinyURL. Beide Dienste sind genial, wenn man nur mal schnell einen URL verkürzen will. Möchte man mehr Kontrolle, dann verlangen die meisten Dienste eine Gebühr. Einen Ausweg bietet yourls, welches man sehr einfach auf einem eigenen shared-Webspace oder einem virtuellen Server installieren kann.

Der Dienst kann durch Plugins erweitert werden, weswegen praktisch keine Wünsche offen bleiben. Wichtig ist, dass man eine möglichst kurze Domain registriert, weil diese Domain dann immer Teil des verkürzten Links ist. Hier muss man etwas kreativ sein, weil ein großer Teil aller denkbaren Links mit vier Zeichen schon vergeben sind. relativ gute Chancen hat man, wenn man Buchstaben und Zahlen kombiniert, vielleicht in englischer Aussprache mit 2 (two, too) und 4 (four, for).

osTicket

osTicket ist ein klassisches Ticket-System, welches für Supportanfragen genutzt werden kann. Der Benutzer füllt ein Webformular aus und schickt dieses ab. Dadurch wird ein Ticket eröffnet und die Anfrage erscheint automatisch im System des Supportmitarbeiters. Ich nutze in Zukunft ein solches System, um Supportanfragen der Kollegen zu Computerproblemen, Problemen mit Multimediageräten und anderweitige Fragestellungen zu verwalten. Aktuell erreichen mich anfragen per Mail, Messengerdienst, auf Papier im Fach oder mündlich. Das führt dazu, dass ich sehr inkonsistent mit den Meldungen umgehen kann und teilweise auch nicht mehr weiß, wer den jetzt genau welches Problem gemeldet hat. Über das Ticketsystem kann ich jede Kollegin direkt rückfragen, oder informieren, wenn das Problem gelöst ist. osTicket ist aber auch im Kontakt mit Schülerinnen denkbar, um beispielsweise Fragen zu beantworten. Dabei bietet das System die Möglichkeit, Fragen von allgemeinem Interesse in eine FAQ aufzunehmen und zu veröffentlichen. So kann man evtl. gleichartige Rückfragen im Vorfeld auffangen.

Papaly

Papaly ist ein (sozialer) Lesezeichenmanager. Über ein Webinterface können Links zu interessanten und wichtigen Seiten abgelegt und sortiert werden. Einzelne Kategorien können sowohl privat, als auch öffentlich sein. Das System eignet sich sehr gut, wenn man viel an verschiedenen Computern arbeitet oder Linklisten mit anderen verwalten möchte. Dazu bietet der Dienst Erweiterungen für Chrome und Firefox um aktuell besuchte Seiten direkt in Papaly zu speichern. Der Dienst unterscheidet dabei zwischen einer persönlichen Seite, auf der man Links bearbeiten, kategorisieren und veröffentlichen, bzw. sperren kann und einer öffentlichen „Homepage“, auf der jeder meine veröffentlichten Links sehen und abrufen kann. Außerdem kann man Linklisten folgen. Als Beispiel findet ihr hier meine eigene öffentliche Linkliste.

Nextcloud

Nextcloud ist ein Clouddienst, der über einen reinen Filehoster hinausgeht. Über Plugins kann man Nextcloud zu einem vollwertigen Online-Büro ausbauen (Kontakte, Notizen, Aufgaben, Mailverkehr, Kalender, Office…). Der große Vorteil ist, dass Nextcloud Open Source ist, also auf einem eigenen Server betrieben werden kann. Zusätzlich bietet der Dienst Ende-zu-Ende Verschlüsselung. Betreibt man also Nextcloud auf einem Server im eigenen Haus, hat man die maximale Kontrolle über die Daten. Aber auch auf einem gemieteten Server fährt man mit dieser Lösung ganz gut (wenn man sich nicht wirklich mit dem Betrieb und dem Aufsetzen eines eigenen Servers auskennt evtl. sogar besser/sicherer). Allerdings macht der Betrieb in einem „Shared Webspace“ nicht wirklich Spaß, bzw. ist gar nicht möglich. Ein virtueller Server sollte es schon sein (z.B. bei Hetzner oder HostEurope).

Wer dazu keine Lust hat, findet auch Hoster, die fertige Nextcloud-Lösungen anbieten. Der Vorteil ist hier, dass man den Dienst einfach nutzen kann, ohne viel zu konfigurieren. Allerdings hat man natürlich auch etwas weniger Kontrolle und Gestaltungsmöglichkeiten.

Nextcloud ist ein Fork von OwnCloud. Eine Alternative ist das ursprünglich chinesische OpenSourc-Projekt Seafile.

[1] https://www.nature.com/news/democratic-databases-science-on-github-1.20719

Alle Bilder sind eigene Screenshots

benny

Lehrer für Deutsch, Geographie, NwT. Multimediaberater, Netzwerkberater für PaedML Novell, Nerd. Fotoknipser, Schreiberling, Switch-Zocker.